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Die Schaltstelle Hans Weigel

Netzwerke, Konflikte, Positionierungen im Feld der österreichischen Nachkriegsliteratur

Der Kritiker und Schriftsteller Hans Weigel (1908–1991) war eine zentrale Schaltstelle im literarischen Leben Österreichs nach 1945, ihm wird großer Einfluss auf Kultur und Politik der Zeit sowie bei der Entdeckung und Förderung von Autorinnen und Autoren zugeschrieben. Das Forschungsprojekt will die Lücke einer fehlenden eingehenden, fundierten Auseinandersetzung mit Weigels Position, Wirkung und Netzwerken schließen. Dabei können grundlegende Erkenntnisse über die Funktionsweisen des literarischen Lebens der noch wenig beleuchteten Nachkriegszeit gewonnen und Kanonisierungsprozesse beleuchtet werden. Das Projekt bietet zudem die Chance, die in der Literaturgeschichtsschreibung lange vorherrschende Dichotomisierung der Nachkriegsepoche in traditionelle und avantgardistische Literatur weiter auszudifferenzieren.


Für zwei konstituierende Elemente der österreichischen Nachkriegsgesellschaft verspricht das Projekt wichtige Aufschlüsse: Remigration und Antikommunismus. Hans Weigel gelang 1945 – in eigenen Worten – eine „Bilderbuchrückkehr“ aus dem Schweizer Exil; die Analyse der Prozesse dieser sehr raschen und erfolgreichen Integration ist einer der Schwerpunkte des Projekts und wird sich auf die Bourdieu’schen Begriffe von Macht, Kapital, Habitus und Assimilation stützen. Weigel wird ein großer Anteil am sogenannten Brecht-Boykott, der Verhinderung von Brecht-Aufführungen an den etablierten Bühnen Wiens zwischen 1952 und 1963, beigemessen. Das Projekt will Weigels genaue Rolle dabei und damit die Funktionsweisen dieses „Boykotts“ spezifizieren sowie die Entwicklungslinien, die Beweggründe und die Erscheinungsformen seines Antikommunismus nachzeichnen. Auch wenn Weigel sich als Einzelkämpfer gegen den Kommunismus stilisierte und häufig als solcher dargestellt wurde: Der Antikommunismus war gesellschaftlicher Konsens und ist eine verdrängte „wesentliche Komponente für die relative Stabilität der österreichischen Nachkriegsgesellschaft“ (Oliver Rathkolb).

 

 


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